VDA 6.3 – Prozessaudit Automotive
VDA 6.3 ist keine Managementsystemnorm. Es ist ein Verfahren für Prozessaudits, entwickelt vom Verband der Automobilindustrie. Bewertet wird nicht ein System als Ganzes, sondern ein konkreter Prozess: von der Projektierung über die Beschaffung bis zur Serienfertigung und zur Kundenbetreuung. Ein Zertifikat gibt es dafür nicht.
Was Sie stattdessen bekommen, ist eine Bewertung. Automobilhersteller und ihre Zulieferer setzen das Verfahren an drei Stellen ein: bei der Auswahl neuer Lieferanten, in der laufenden Serienbetreuung und wenn es Probleme gibt. Das Ergebnis entscheidet dann über Einstufungen, Freigaben und im ungünstigen Fall über Eskalationen. Deshalb wird ein VDA-6.3-Audit in der Lieferkette oft ernster genommen als so manches Zertifizierungsaudit.
Wen sie betrifft
- Zulieferer der Automobilindustrie, die von einem Kunden zu einem Prozessaudit aufgefordert werden – der häufigste Auslöser
- Unternehmen, die sich neu um Automotive-Geschäft bewerben und im Rahmen der Lieferantenauswahl bewertet werden
- Betriebe mit IATF 16949, die Prozessaudits als festen Bestandteil ihres internen Auditprogramms brauchen
- Einkaufsorganisationen, die ihre eigenen Lieferanten nach einem anerkannten Verfahren bewerten wollen
Woran es in der Praxis hakt
Die Bewertungssystematik wird unterschätzt
VDA 6.3 bewertet nicht nach Bauchgefühl, sondern nach einer festen Punktesystematik. Jede Frage bekommt eine Bewertung, daraus entstehen Kennzahlen für Prozesse und für das Gesamtergebnis. Dazu kommen Abwertungsregeln. Bestimmte Feststellungen ziehen das Ergebnis nach unten, unabhängig davon, wie gut der Rest bewertet wurde.
Das überrascht regelmäßig. Inhaltlich fehlt oft wenig, das Ergebnis fällt trotzdem deutlich schlechter aus als erwartet. Wer die Systematik vorher kennt, weiß, an welchen Stellen es wehtut, und kann gezielt dort ansetzen. Wer sie nicht kennt, diskutiert am Ende über eine Zahl, die längst feststeht.
Die Selbstbewertung fällt zu wohlwollend aus
Im eigenen Haus wird großzügig bewertet. Das ist keine Absicht, sondern menschlich. Man kennt den Zusammenhang, weiß, wie der Prozess gemeint ist, und denkt die fehlende Hälfte automatisch mit.
Ein externes Audit bewertet anders. Es bewertet, was nachweisbar ist, nicht was gemeint war. Die Lücke zwischen interner Selbstbewertung und externem Ergebnis ist in unserer Erfahrung häufig groß. Genau deshalb lohnt sich eine ehrliche Vorbewertung von außen, bevor der Kunde kommt.
Nachweise sind nicht vorbereitet
Der Fragenkatalog ist bekannt und veröffentlicht. Niemand muss raten, was gefragt wird. Trotzdem wird im Audit gesucht statt vorgelegt. Jemand ruft in der Fertigung an, jemand sucht im Laufwerk, der Auditor wartet.
Jede Frage braucht einen Nachweis, der greifbar ist. Suchen kostet nicht nur Zeit. Es wirkt wie eine Lücke, auch wenn der Nachweis später auftaucht. Derselbe Prozess wird mit vorbereiteten Belegen spürbar besser bewertet als mit denselben Belegen im Chaos.
Wie wir begleiten
Am Anfang steht die Vorbereitung. Wir gehen den Fragenkatalog mit Ihnen durch und klären, welcher Nachweis zu welcher Frage gehört. Fehlt einer, sehen Sie das früh genug, um ihn zu erzeugen statt zu improvisieren.
Danach die Selbstbewertung. Wir bewerten Ihre Prozesse so, wie ein externer Auditor es tun würde, und sagen Ihnen die Zahl, auch wenn sie unbequem ist. Das Vorgehen entspricht dem, was wir unter Interne Audits & GAP-Analysen beschreiben: Feststellung, objektiver Nachweis, Priorisierung.
Auf Wunsch begleiten wir Sie im Kundenaudit selbst. Wir übersetzen zwischen Ihrem Betrieb und der Auditlogik, ordnen Feststellungen ein und halten fest, was daraus folgt. Wenn sich zeigt, dass die Ursache tiefer liegt, führt der Weg zu Managementsystem aufbauen. In welchen Branchen wir unterwegs sind, sehen Sie dort.
Wer das bei uns macht
Marion Rammé – IRCA certified and registered QMS / EMS / OHSMS Lead Auditor #01194927, mit VDA 6.3, IATF 16949 und Kundenanforderungen im Automotive-Bereich
Bei diesem Verfahren sind wir ehrlich: Es wird bei uns von einer Person abgedeckt. Bei den ISO-Grundnormen sind wir breiter aufgestellt, hier nicht. Das sollten Sie bei der Terminplanung wissen. Das Team im Detail
Verwandte Normen
- IATF 16949 – Managementsystem der Automobilindustrie, hier wird zertifiziert
- ISO 9001 – die Grundlage, auf der beides aufsetzt
Häufige Fragen
Bekommen wir für VDA 6.3 ein Zertifikat?
Nein. VDA 6.3 ist ein Verfahren zur Prozessbewertung, keine zertifizierbare Managementsystemnorm. Sie erhalten einen Auditbericht mit einer Bewertung Ihrer Prozesse. Wer ein Zertifikat für die Automobilindustrie braucht, schaut auf IATF 16949.
Wie lange dauert ein Prozessaudit?
Das hängt vom Umfang ab: wie viele Prozesse betrachtet werden, wie viele Standorte beteiligt sind und wie tief geprüft wird. Ein einzelner Prozess an einem Standort ist eine Sache von wenigen Tagen inklusive Vorbereitung und Bericht. Mehrere Prozesse oder Standorte entsprechend mehr.
Was kostet das?
Ein Prozessaudit ist eine Frage von Tagen. Bestimmend sind die Zahl der betrachteten Prozesse und die Zahl der Standorte, dazu der Aufwand für Vorbereitung und Bericht. Nach einem kurzen Gespräch über Ihren Umfang können wir das verbindlich beziffern.
Wie verhält sich VDA 6.3 zu IATF 16949?
Sie ergänzen sich. IATF 16949 ist die zertifizierbare Systemnorm und verlangt unter anderem Prozessaudits. VDA 6.3 liefert das Verfahren, mit dem diese Prozessaudits durchgeführt werden. Viele Kunden fordern beides – das Zertifikat für das System, die Prozessbewertung für den konkreten Prozess.
Wie bereiten wir uns am besten vor?
Nehmen Sie den Fragenkatalog und ordnen Sie jeder Frage einen Nachweis zu. Danach eine ehrliche Selbstbewertung, am besten mit externem Blick. Der Rest ist Handwerk: Nachweise greifbar ablegen und die Beschäftigten informieren, die im Audit gefragt werden.
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